Archiv: Rezensionen zu Literatur und Film

Sonntag, 19. November 2017

Blog-Betrieb bis Dezember eingestellt




Liebe Freunde der exotischen Literatur und Filmkunst,

es gibt Momente im Leben, da rückt selbst die größte Leidenschaft in den Hintergrund. Aufgrund eines familiären Vorfalls werde ich den Blog bis in die erste Dezemberwoche nicht mit neuen Inhalten versorgen. Selbstverständlich stehen sämtliche Artikel und Rezensionen wie gewohnt weiter zur Verfügung. Bis dahin wünsche ich euch eine angenehme Zeit und freue mich, wenn wir uns hier bald wiederlesen werden.

Bis bald,
Aufziehvogel

Sonntag, 5. November 2017

Aufziehvogel's Geschichtsstunde: Mein letzter Kampf (Game of Death)






Hong Kong 1978

Bruce Lee - Mein letzer Kampf
Originaltitel: Game of Death
Regie: Robert Clouse, Bruce Lee
Darsteller: Bruce Lee (Archivmaterial/Stock Footage), Kim Tai-jong, Yuen Biao, Colleen Camp, Dean Jagger, Gig Young, Hugh O'Brian, Samo Hung, Chuck Norris (Stock Footage), Robert Wall, Kareem Abdul-Jabbar
Lauflänge: Circa 100 Minuten
Verleih: Universum
FSK: Ab 16
Genre: Kampfsport, Action, Drama


Bruce Lee gehörte, ganz ohne Frage, zu den herausragendsten Persönlichkeiten zur späten zweiten hälfte des letzten Jahrhunderts. Kampfsportler, Philosoph, Schauspieler, Regisseur und Erfinder seiner eigenen Kampfsportart. Der sympathische Mann aus Hong Kong (bürgerlicher Name Lee Jun-fan 1940-1973) war ehrgeizig und wollte sein ganzes Leben lang hoch hinaus. Ein Ehrgeiz, der ihm letzten Endes zum Verhängnis wurde, denn noch vor seinem 33. Geburtstag verstarb Lee an einem Ödem im Kopf. Der Tod kam völlig überraschend und hat bis heute einen relativ mysteriösen Beigeschmack hinterlassen, der Verschwörungstheoretiker bis heute nährt. Die tatsächlichen Gründe werden für viele nur schwer zu akzeptieren sein. Lee brachte seinen Körper ans Limit, täglich und beinahe ein Leben lang. Die Überanstrengung des Körpers soll letztendlich für das Ödem verantwortlich gewesen sein.

Lee selbst machte nie ein Geheimnis daraus, die Filme, in denen er mitspielte, die sollten zur Unterhaltung dienen. Wer hier einen tieferen Sinn suche, der sei Fehl am Platz, so Lee. In der Hauptrolle eines Spielfilms sah man ihn nur ganze 4 male (man kann sich streiten, ob man das fünfte mal mitzählen kann). Viele Leser werden jetzt vermutlich aus allen Wolken fallen, haben sie Bruce Lee doch mindestens schon in 50 Filmen gesehen, die gerne mal nach 23 Uhr auf den privaten Fernsehsendern liefen. Weder spielte aber Bruce Lees rastlose Seele mit (atmet auf, Karate Tiger Fans), noch waren es Filme, die zu seinen Lebzeiten abgedreht wurden. Meistens war es jedoch ein asiatischer Schauspieler, der dem Maestro ähnlich sah und unter Namen wie "Bruce Li, Bruce Leigh, Bruce Lie" agierte. Da man so etwas in Deutschland nie so genau nahm, so lange man Geld mit einem bekannten Namen machen konnte, schrieb man meistens "Bruce Lee" aufs Cover und somit entstanden unzählige dieser Nachahmer, wohinter meistens ein billiger Actionfilm aus Hong Kong steckte.

Obwohl die Filme von Bruce Lee eher auf seichte Unterhaltung ausgelegt waren, so profitierten besonders die 3 Produktionen aus Hong Kong (The Big Boss, Fist of Fury, Way of the Dragon) von Lee's Präsenz und seiner Performance als Kampfsportler. Die Geschichten kamen nie über den Plot eines Bud Spencer und Terence Hill Filmes hinaus, doch genau darin lag der Charme. Alle warteten auf fliegende Fäuste und messerscharfe Tritte. Lee spielte meistens den zurückhaltenden Protagonist, der durch einen Schwur daran gebunden war, seine enorme Kampfkraft nicht zu benutzen. Jeder Film steuerte also auf den Höhepunkt zu, wo Bruce Lee's Charakter endlich die Fäuste sprechen ließ. Die gut choreografierten Kampfszenen fanden damals ihren Höhepunkt in "Way of the Dragon", wo sich Lee gegen einen schweigsamen Chuck Norris im Kolosseum einen Kampf auf Leben und Tod lieferte.

Ein vierter Film aus der Hong Kong Ära von Lee sollte 1972 folgen. Ein Film, wo Lee erstmals persönlich auf dem Regiestuhl platz nahm mit dem Ziel, den ultimativen Martial Arts Film zu erschaffen. Die Rede ist von Game of Death. In diesem Film sollte sich Lee als Hai Tien, ein Kampfsportler im Ruhestand, mit der koreanischen Unterwelt anlegen. Ziel der verbrecherischen Organisation war es, an einen besonderen Schatz zu gelangen, der in einer riesigen Pagode von den weltbesten Kampfsportlern gehütet wurde. Die koreanischen Verbrecher wollten dabei von Hai Tiens Kampfkünsten Gebrauch machen, der wiederum ablehnte. Als die Verbrecher Hai Tiens Geschwister kidnappten, wurde er dazu gezwungen, am tödlichen Spiel teilzunehmen.
Mitten während der Dreharbeiten bekam Lee jedoch das Angebot, an einem noch größerem Projekt mitzuwirken. Unter der Leitung von Warner Bros. mit namhaften Schauspielern und einem Budget,  welches Lee's bisherige Projekte maßlos in den Schatten stellte. Lee selbst würde bei diesem großen Projekt nicht nur Hauptdarsteller sein, er würde auch sämtliche Choreographien für die Kämpfe übernehmen. Das typische Angebot, was man nicht abschlagen kann. Lee nahm das Angebot an und Enter the Dragon (Der Mann mit der Todeskralle dt.) wurde nicht nur sein größter Film, er wurde auch einer der erfolgreichsten Filme des Jahres 1973 und gleichzeitig der letzte Spielfilm von Lee, der nur wenige Tage vor der Premiere des Films verstarb.

Lee wandte sich nach den Dreharbeiten zu Enter the Dragon wieder Game of Death zu. Rund 100 Minuten an Filmmaterial soll zu Game of Death existieren, das meiste davon sei jedoch in den Archiven der Filmproduktionsfirma Golden Harvest verloren gegangen. Ein Umstand, den viele Experten bis heute anzweifeln. Als 1978 der Film Game of Death anschließend für die Kinos angekündigt wurde, staunte man nicht schlecht.


Eines der zwei Double im Film


Der Tod von Bruce Lee lag bereits einige Jahre zurück und es war bekannt, dass das fertige Material nicht ausreichte, um daraus einen kompletten Spielfilm zu produzieren. Der Film, der am Ende entstanden ist, war so weit von Bruce Lee's wahrer Vision entfernt wie die Erde zum Mars. Winzige Bruchstücke des Plots wurden in das neue Script übernommen. Lee's Charakter Hai Tien wurde aus dem Script geschrieben und zu Billy Lo, einem aufstrebenden Schauspieler, umgebaut. Lee wurde von 2 Doubles verkörpert, die restlichen Szenen wurden nahezu dilettantisch zusammengesetzt aus Archivmaterial und Stock Footage aus vergangenen Filmen. In den 70ern gab es noch kein CGI um hier nachzuhelfen, doch die art und weise, wie man Lee hier doubelte, war selbst für damalige Verhältnisse amateurhaft und nah an der Grenze des guten Geschmacks (Szenen von Lee's tatsächlicher Beerdigung wurden hier ebenfalls verwendet). Als Regisseur setzte man hier Robert Clouse ein, der bereits bei Enter the Dragon Regie führte.

Am Ende landeten gerade einmal etwas über 10 Minuten aus dem echten Game of Death in dieser 1978 Version des Films. Man hätte nahezu problemlos Lee's Script übernehmen können und aus dem vorhanden Material mit besserer Tricktechnik hier ein wesentlich besseres Ergebnis abliefern können. Stattdessen entschied man sich bei Golden Harvest dazu, das letzte Andenken an Bruce Lee dafür zu verwenden, um eine Allegorie auf das Leben des verstorbenen Stars zu erschaffen, die auf eine recht penetrante art und weise das Filmgeschäft für Lee's Tod verantwortlich macht (und sich unter anderem deshalb bei vielen Fans die Theorie eingebürgert hat, dass Lee von gewissen Leuten vergiftet wurde).


Der Kopf aus Pappe ist eine der vielen Kuriositäten im Film


Warum ist dieser Film entstanden? Die Antwort hierauf ist relativ einfach. Vertraglich war Lee Golden Harvest mindestens noch einen weiteren Film schuldig. Verträge schützen vor dem Tod nicht und man konnte immer noch Lee's Frau dafür haften lassen, diesen Vertrag nicht mehr einhalten zu können. Woran liegt es aber, das dieser Film nicht in Vergessenheit geraten ist und von den Kritiken, Ausnahmen ausgenommen, nicht verrissen wurde? Zum einen hat Clouse hier zumindest handwerklich einen Film geschaffen, der für eine Hong Kong Produktion nicht billig wirkte. Auch die Choreografie der Kämpfe, die komplett unter der Leitung von Samo Hung stattfand, kann sich bis heute sehen lassen. Es ist aber auch die Kuriosität an sich, die dieser Film darstellt, wieso man sich an ihn erinnert. Spätestens seit der Dokumentation "A Warrior's Journey" weiß man, wie viel Material von Lee's ursprünglicher Vision noch existiert. Und trotzdem besitzt diese Version des Filmes eine durchaus gefestigte Fangemeinde. Wusste Bruce Lee wie man Baskettballer Kareem Abdul-Jabbar in einem Kampfsportfilm auftreten lässt, so wirkte Hugh O'Brian in der Version von 1978 in der Pagode des Todes wie ein Fremdkörper. Hier wurden namhafte Schauspieler verbraten, die zu keiner Zeit wirklich den Eindruck machten, als wüssten sie, wofür man sie angeheuert hat.

Tatsächlich lebt dieser Film davon, das er eine Kuriosität ist. Positiv hervorzuheben wäre hier noch die Performance von Colleen Camp, die mit "Will this be the song I'll be singing tomorrow" einen recht melancholischen Titelsong hinzusteuerte (komponiert von dem bekannten John Barry), der die Zuschauer durch den gesamten Film führt und gar nicht so deplatziert wirkt, wie man anfangs annehmen mag.


Der echte Bruce Lee im ikonischem Outfit


Die Wahrscheinlichkeit, dass aus dem Nichts auf einmal eine Version von Lee's Version von Game of Death in Spielfilmlänge auftaucht, ist vermutlich noch wesentlich geringer als die finale Langfassung zu Segio Leones "Es war einmal in Amerika". Der Film, der stattdessen im Jahr 1978 entstanden ist, ist wahrscheinlich von allen Lösungen die schlechteste gewesen, dennoch wird der Film durch den ein oder anderen Aspekt davor gerettet, eine Existenz als Gurke zu führen. Obwohl mehr als 5 Jahre nach Lee's Tod durch die Lande gezogen sind, wirkt der Film oftmals aber unprofessionell und gehetzt. Ob Szenen von der Beisetzung von Bruce Lee hier einen Mehrwert des Films geschaffen haben oder eher als geschmacklos anzusehen sind, dies bleibt jedem selbst überlassen. 
In Deutschland hat man seit 2011 2008* wieder die Gelegenheit dazu, öffentlich darüber zu diskutieren. Denn genau wie Lee's andere Hong Kong Filme ist Game of Death unzensiert nach Jahren auf dem Index in die Kaufhäuser und TV-Sender Deutschlands zurückgekehrt und nun ab 16 freigegeben.

Sonntag, 29. Oktober 2017

Top 10: Horror-Sequels



Wir nähern uns der Crunchtime zur Halloween-Nacht, die vermutlich auch bei uns mal wieder viele Filmfans und Familien zusammenbringen wird. Zeit, in letzter Sekunde noch sein eigenes Bier zu brauen und sich dem Netz mitzuteilen, wie zum Beispiel eine Top 10 für Horror-Sequels aussehen könnte. In dieser Aufzählung (von 10 abwärts) zähle ich nicht die "Besten Horror-Sequels" aller Zeiten auf, da so etwas, ganz realistisch betrachtet, kaum machbar ist bei der Menge an Filmen, dafür aber Filme, die mich auf eine spezielle weise auf lange Sicht begeistert haben.

Altmeister Wes Craven hat uns unzählige male die Regeln der Fortsetzung eines Horrorfilms erklärt. Mehr Blut, mehr Opfer und neue Twists. Meistens klappt die Regel noch ganz gut bei einer direkten Fortsetzung, alles darüber hinaus wird aber bereits problematisch, besonders, wenn ein Horror-Franchise mehr als 5 Filme vorzuweisen hat. Dennoch gibt es immer mal wieder im blutrünstigem Genre diverse Ausreißer, die den Karren aus dem Dreck fahren nachdem Studio und Produzenten eine bekannte Reihe gegen die Wand gefahren haben.

In dieser Aufzählung haben zahlreiche Horrorikonen ihren Platz gefunden. Regeln gibt es dennoch zu beachten. Nur 1 Film pro Franchise, keine Reboots/Remakes sofern es nicht die Fortsetzung eines solchen Projektes ist (Prequels hingegen sind ein Sonderfall). Zusätzlich müsste ich noch anmerken, auf das Alien-Franchise werde ich hier nicht eingehen, auch wenn die Filme Horrorelemente enthalten. Ebenfalls abwesend ist Romeros "Dawn of the Dead", der leider nicht mehr lebhaft genug in meiner Erinnerung ist, um ihn einwandfrei zuordnen zu können.

Sind alle vorgewarnt? Dann kanns doch losgehen. Wer besonders mutig ist, kann sich beim lesen in gedämpfter Atmosphäre den Kinderreim aus "Mörderische Träume" antun <(*.*<)







10.
Hellraiser: Hellseeker aka Hellraiser VI
Jahr: 2002, USA
Regie: Rick Bota



Wenn man Hellraiser mit in seine Aufzählung nimmt und es dann auch noch um nennenswerte Fortsetzungen geht, so würde jeder Fan der Reihe wohl "Hellbound" schreien. Tatsächlich ist Hellbound: Hellraiser II eine großartige Fortsetzung. Genau das ist auch das Problem, die erste Hellraiser Fortsetzung hat den anderen Ablegern komplett (zurecht) die Show gestohlen. Was aber nicht bedeutet, dass das Franchise an Bedeutungslosigkeit verloren hat. Miramax hat die Serie erst mit Teil 7 in die Abgründe der Hölle manövriert.
Hellseeker war eine Auftragsarbeit. Das Studio kaufte fertige Scripte, die zu einem neuen Hellraiser-Ableger passen könnten. Nach Inferno (Teil 5) blieb man dieser Linie treu. Man wählte ein passendes Script aus und fügte Charaktere aus dem Hellraiser-Universum ein. Dabei ist jedoch ein recht interessanter Film entstanden. Nicht nur bringen die Macher hier Kristy Cotton, die Protagonistin aus den ersten beiden Filmen, zurück, auch die Zenobiten rund um Pinhead und seiner Höllen-Entourage nehmen wieder einen wesentlich kleineren Part im Film ein. Blut und Splatter wird gut dosiert auf  wenig ausgewählte Szenen verteilt. Viel mehr legt der Film jedoch wert auf Mystery-Elemente und Suspense. Der finale Twist am Ende des Filmes ist gelungen und macht Hellseeker zu dem wohl ungewöhnlichsten, aber auch (bis dato) letzten sehenswerten Ableger der Reihe.



09.
Halloween II (Remake-Timeline)
Jahr: 2009, USA
Regie: Rob Zombie




Für die Puristen der Horror-Ikone eindeutig der traurige Tiefpunkt einer einst legendären Horrorreihe, die, rückblickend betrachtet, jedoch nicht wirklich viel zu bieten hatte was Fortsetzungen angeht. Zombies Halloween II hat sich in meiner Liste knapp vor der Original Fortsetzung aus dem Jahr 1981 durchgesetzt. Die Fortsetzung des Remakes aus dem Jahr 2007 (ebenfalls von Zombie) ist, genauer betrachtet, ein Leckerbissen für Freunde von Exploitation. Diese Fortsetzung ist so eigenständig und exotisch, nur die wenigsten Fans des Franchise konnten mit dem Film etwas anfangen. Im Kino ging Rob Zombies Fortsetzung sang und klanglos unter Buhrufen unter. Der hohe Anteil an Gewalt und Splatter, sowie aber auch einige kontroverse Thematiken waren für die meisten Zuschauer kaum zumutbar und ernteten dem Regisseur viel Kritik ein, dem es letztendlich aber auch egal sein konnte, denn bereits im Vorfeld verkündete Rob Zombie, keinen weiteren Halloween Film mehr drehen zu wollen. Fürs Heimkino gab es einen noch härteren Director's Cut der dem Film aber auch mehr Handlung und ein neues Ende spendierte. Zombies Halloween II ist vermutlich genau der richtige Film für einen Filmabend an Halloween, allerdings wohl aber am wenigsten geeignet für Fans des Franchise.



08. 
Texas Chainsaw Massacre 2
Jahr: 1986, USA
Regie: Tobe Hooper




Der ganze Wahnsinn dieses Films wird einem wohl erst bewusst, nachdem der Abspann gelaufen ist. Nach dem großen Erfolg von Tobe Hoopers Indie-Horrorfilm "The Texas Chainsaw Massacre" folgte mehr als 12 Jahre später eine Fortsetzung des Exploitationsfilmes aus den 70ern. Das Endergebnis der Fortsetzung war  schließlich noch mehr Exploitation, mehr Budget und ein Dennis Hopper, der, glaubt man den Produzenten, manchmal nicht einmal wusste, in welchem Film er gerade mitspielte. Hoppers miserable Performance verlieh dieser Fortsetzung einen etwas ungewollten Trash-Faktor, was aber kaum ins Gewicht viel. War der Vorgänger noch ein bierernster Horrorfilm, so reichten sich in der Fortsetzung wie bei Evil Dead II Horror und Comedy die Hände. Für zartbesaitete ist aber auch dieser Film nichts, denn besonders gegen Ende geht es ziemlich heiß her. Eine Fortsetzung, um die vermutlich niemand gebeten hatte und wahscehinlich dies der Grund dafür war, wieso sie sich so dermaßen vom Original unterschied. Sehenswert ist Texas Chainsaw Massacre 2 aber allemal und in Deutschland nach vielen Jahren endlich wieder für volljährige frei zugänglich.



07. 
Ring 0
Jahr: 2000, Japan
Regie: Norio Tsuruta




Waren die US-Amerikanischen Fortsetzungen zum Ring Remake eine einzige Katastrophe, so konnten sich die Fortsetzungen der japanischen Filme mehr als sehen lassen. Während man eine Bruchlandung hinnehmen musste, als man sich direkt daran machte, Material von Koji Suzuki zu verfilmen (und damit bereits im Science-Fiction Genre angelangt war), so war Ring 2 eine direkte, eigenständige Fortsetzung des ersten Filmes (der bereits relativ freizügig auf Suzukis Roman basierte). Zugegeben, die Fortsetzung war eigentlich ausschließlich war für Leute, die das Original kannten, denn es wurden fast nur offene Fragen aus dem Vorgänger aufgegriffen. Die ruhige, bodenständige Fortführung der Handlung wusste jedoch zu überzeugen.
Ring 0 aus dem Jahr 2000 ist, streng genommen, kein Sequel sondern ein Prequel, welches vor den eigentlichen Ereignissen der Haupthandlung spielt, dennoch habe ich ich mich dazu entschlossen, den Film dieser Liste hinzuzufügen.
Ring 0 basiert auf Koji Suuzkis Kurzgeschichte "Lemonheart", die die tragische Geschichte des Geistermädchens (wie sie zu diesem wurde) Sadako beschreibt. Die Verfilmung von Norio Tsuruta degradiert den Horror ein wenig, dafür sind die Charaktere jedoch wunderbar ausgearbeitet. Etwas mehr Drama als Horror, macht dieses ruhige Prequel dafür aber umso mehr richtig in den Aspekten, wo es drauf ankommt. Durchaus ein Film, der vielleicht mehr Sinn macht für Filmfreunde, die vorhaben, die gesamte Reihe noch einmal oder gar erstmals zu schauen.



06. 
Scream 4
Jahr: 2011, USA
Regie: Wes Craven




Wes Cravens letzter großer Film sollte das Ende der Saga rund um Sidney Prescott einläuten. Und genau dies ist dem Retter des Horrorgenre der 80er und 90er auch gelungen. Wollte Scream 2 zu sehr die Fortsetzung der Fortsetzungen sein und scheiterte dabei, indem Craven und Williamson einfach in größerem Stil Teil 1 kopierten, so driftete man mit Scream 3 sogar den Fluss Absurdum ab. Ganze 11 Jahre dauerte es, bis Scream 4 es in die Kinos schaffte und das bis dato relativ ausgestorbene Slasher-Genre wieder aufleben lies. Dabei spielen Craven und Williamson in diesem Film mehr als zuvor auf der Meta-Ebene und führen die Zuschauer an der Nase herum. Zentrale Themen wie soziale Netzwerke und Smartphones spielen eine wichtige Rolle, der Twist am Ende dürfte selbst Fans der Reihe überrascht haben. In allen Belangen eine erfrischende Fortsetzung, die lange genug auf sich warten ließ, um wieder aktuell sein zu können. Am Ende zahlte sich für alle Beteiligten das Unterfangen nicht sonderlich aus, aber über die Jahre hinweg wird man sich wohl durchaus positiv an Scream 4 erinnern.



05. 
Saw II
Jahr: 2005, USA
Regie: Darren Lynn Bousman



Eine Fortsetzung zu Saw aus dem Jahr 2004 war vermutlich unausweichlich. Rückblickend hat sich Saw in den vergangen über 10 Jahren zu einem Klassiker des Genre gemacht, was so natürlich nie abzusehen war. Die vielen Fortsetzungen haben bei dem Original keinen all zu großen Schaden angerichtet. Saw II war die logische Fortsetzung, leitete aber gleichzeitig auch den Niedergang der Reihe ein. Als Fortsetzung macht Saw II aber zumindest all das richtig, wo zum Beispiel Scream 2 zu viel damals wollte. Teil 1 zu kopieren war hier keine Option. Man musste stattdessen die Stärken des Vorgängers (der Twist also) mit den Regeln der Fortsetzung koppeln. Mehr Blut, mehr Opfer, neue Twists. In der blutrünstigen Fortsetzung setzte Darren Lynn Bousman Jigsaws Vermächtnis fort. Bousman löste James Wan vom Regiestuhl ab, Leigh Whannell war aber noch immer mitverantwortlich für das Drehbuch, weshalb man zumindest auf dieser Position eine fachgerechte Fortsetzung der Ereignisse erwarten durfte. Somit dürfte Saw II bei vielen als wohl sehr brauchbare Fortsetzung in Erinnerung geblieben sein. Leider läutete der Film auch einen düsteren Trend für die weiteren Fortsetzungen ein, die den Begriff "Folterpornos" in der Filmlandschaft etablierten. So lange an Bousman als Regisseur festzuhalten tat der Reihe sicherlich nicht gut, wobei die Reihe es uns schuldig geblieben ist, einen Rohrkrepierer der Güteklasse A vorzulegen.



04. 
Freddy's New Nightmare
Jahr: 1994, USA
Regie: Wes Craven




Es war gar nicht so einfach, sich für eine der Nightmare-Fortsetzungen zu entscheiden. So spielte selbst der bis heute von Fans und Wes Craven persönlich verschmähte zweite Teile eine Rolle bei meiner Entscheidung. Auch Nightmare 3 (Dream Warriors) war hier selbstverständlich eine Option. Besonders waren es aber Nightmare Teil 5 und Teil 6, die die Reihe unweigerlich nach unten zogen. Das größte Problem der Filme war Freddy Krüger zu einer Comedy-Figur zu machen. Freddy Krüger war bekannt für seine Oneliner, ihn aber zu einem wandelnden Joke zu machen war nie die Intention dieser Figur. Die Serie hatte ihren "Ernst" verloren. Freddy Krüger ist nicht der Kumpeltyp, mit dem man gerne abhängen möchte. Dieser Kerl war zu Lebzeiten ein Kinderschänder und im Tod suchte sein ruheloser Geist die Kinder seiner Mörder heim und sorgte für Angst und Schrecken. Genau diese zentralen Elemente benutzte Wes Craven in dieser finalen Fortsetzung, die Freddy Krüger nicht nur in den Träumen weiterleben ließ, sondern auch in der realen Welt. Wie schon Scream, so spielt Freddy's New Nightmare auf einer Meta-Ebene. Die Charaktere spielen größtenteils sich selbst und dem Zuschauer wird klipp und klar deutlich gemacht, dass es sich bei den Vorgängern um Filme handelte, die jetzigen Ereignisse aber in der Realität spielen. Craven verzichtete auf den Humor und lieferte hier einen ernsten Slasher ab. Eine intelligente und gelungene Fortsetzung.



03. 
The Devil's Rejects
Jahr: 2005, USA
Regie: Rob Zombie



Genau wie bei Halloween 2 verkündete Rob Zombie bereits im Vorfeld, bei diesem Film würde es sich um das Ende dieser bizarren Familiensaga handeln. The Devil's Rejects ist die Fortsetzung eines, bestenfalls, mittelklassigen Horrorfilms. "Das Haus der 1000 Leichen" war Zombies Spielfilm-Debüt als Regisseur und in Anbetracht dieser Tatsache hat der Film sogar eine menge richtig gemacht. Hillbilly-Terror gepaart mit Exploitation und ein unerwarteter Showdown machten Zombies Erstling zu einem brauchbaren Film, den man im Vorfeld sicherlich nicht von ihm erwartete hätte. The Devil's Rejects hingegen spielt in einer komplett anderen Liga. Erneut setzt uns Zombie diese unsympathische, mörderische Familie in einer art Horror-Roadmovie vor, die aber unerwartet emotionale Wendungen nimmt, so kurios es klingen mag. Gepaart mit einem großartigen Soundtrack schickt Zombie die Familie Firefly auf eine unangenehme Tour de force. Sämtliche Horrorelemente laufen eher auf Sparflamme, dafür steht der Terror ganz oben. Von sämtlichen surrealen Elementen verabschiedete Zombie sich spätestens bei der Post-Production (darunter eine berüchtigte Szene mit Dr. Satan). Das schmälert jedoch nicht im geringsten den Unterhaltungswert des Filmes. The Devil's Rejects ist einer der wenigen Fälle im Genre, wo die Fortsetzung das Original übertrifft.



02. 
Ju-on 2 (The Grudge 2, Japan-Timeline)
Jahr: 2003, Japan
Regie: Takashi Shimizu



Ich muss mich schuldig bekennen, ich fand den amerikanischen "The Grudge 2" relativ sehenswert. Was auch daran liegen könnte, bei beiden amerikanischen Remakes hat Schöpfer Takashi Shimizu Regie geführt. Das Remake-Sequel war ein Mix aus den japanischen TV- und Kinofilmen und für das westliche Publikum weich gespült, watete dafür aber mit einem überraschend pessimistischem Ende auf. Auf einer komplett anderen Qualitätsebene (wenn auch nicht in Sachen Budget) verhält es sich da aber mit der japanischen Fortsetzung zur Ju-on Saga von Takashi Shimizu, die in Japan als Reihe von TV-Filmen begann. Auch Ju-on 2 ist eine der wenigen Fortsetzungen, die den Erstling noch einmal übertreffen. Die nicht lineare Erzählweise der einzelnen Episoden erschweren das Verständnis des Filmes auf eine positive weise. Angemerkt muss aber auch werden, die Episoden sind eng mit den Vorkommnissen der Ereignisse aus dem ersten Teil verknüpft. Für Leute, die Teil 1 nicht gesehen haben kann dieser von mir erwähnte positive Effekt daher als das komplette Gegenteil wahrgenommen werden. Die durchaus komplexe Fortsetzung ist ein waschechter Horrorfilm, wie er nur aus Japan kommen kann. Am Ende schließt sich ein blutrünstiger Kreis und offenbart noch ein bisschen weniger Hoffnung als das bereits angesprochene US-Sequel. Ju-on 2 ist ein moderner Klassiker des Genre, der in den vergangenen Jahren etwas in der Versenkung verschwunden ist (was auch an fehlender HD-Veröffentlichung liegt) und heute beinahe schon wieder als Geheimtipp gilt.




01. 
Evil Dead II
Jahr: 1987, USA
Regie: Sam Raimi





Sequel/Reboot/Remake, Evil Dead 2 ist alles zusammen. Auf dem Papier ist Evil Dead II natürlich eine waschechte Fortsetzung, aufgrund eines langen Rechtsstreites mit der Produktionsfirma war Sam Raimi für die Fortsetzung dazu gezwungen, diverse Änderungen vorzunehmen. Somit musste auch die Geschichte in den Rückblenden ein wenig anders erzählt werden, als wir sie kennen. Am Ende jedoch spielt all das keine Rolle mehr, weil ja doch niemand mehr danach fragt, sobald der Abspann läuft. War Teil 1 noch ernster Splatter, so schickte Sam Raimi Ash Williams noch einmal in die Horrorhütte, doch diesmal sollte alles anders kommen. Evil Dead II ist eine wahnwitzige Fortsetzung die alles anders macht als das Original und daher kaum noch mit dem Vorgänger verglichen werden kann. Ein Film, wie er vermutlich nur in den 80ern entstehen konnte und oft kopiert wurde, jedoch in all seiner Verrücktheit einzigartig bleibt. Evil Dead II als reine Horrorkomödie zu bezeichnen ist übrigens auch nicht korrekt. Es ist besser, man nimmt den Film genau so, wie er ist und ordnet ihn nicht in Unterkategorien unter. Befolgt man diese Regeln, erwartet einen hier auch heute noch eine der originellsten Fortsetzungen im Horrorgenre.

Sonntag, 22. Oktober 2017

Rezension: Eine heitere Wehmut (Amélie Nothomb)


(Foto: ©Catherine Cabrol)



Belgien/Frankreich 2012

Eine heitere Wehmut
Originaltitel:  La nostalgie heureuse
Autorin: Amélie Nothomb
Übersetzung: Brigitte Große
Genre: Slice of Life, Romantik



Dieser überraschend kurze Roman aus dem Jahr 2012 von Amélie Nothomb hört im französischen auf den Titel "La nostalgie heureuse", was plump übersetzt so viel bedeutet wie "Eine glückliche Nostalgie". Der deutsche Titel ersetzt die Nostalgie durch Wehmut, genau so gut hätte man hier aber auch die Melancholie verwenden können, denn all das trifft auf dieses wundervolle Kleinod von einem Roman zu.

"Wenn man mich so sah und nach dem Grund meines Kummers fragte, antwortete ich: >>Heimweh.>> Viel später erkannte ich, dass dieses Gefühl im Westen verachtet wird, da es als schädlich gilt, der Vergangenheit nachzutrauern. Die grausame Diagnose kurierte mich allerdings nicht davon. Meine Sehnsucht war unheilbar." 

Stark verbunden mit ihrer eigenen Lebensgeschichte schickt Amélie Nothomb sich mit einer heiteren Wehmut und einer menge trockenen Humor zurück in das Land, was sie so sehr liebt und vermisst. Japan. Dort lebte die Autorin tatsächlich viele Jahre und verbrachte dort eine glückliche Zeit. Worüber die Autorin hier berichtet ist dabei kein bisschen übertrieben. Ich selbst kenne aus eigenen Kreisen die Berichte alter Freunde und Weggefährten, die eine ähnliche Liebeserklärung an Japan abgaben, obwohl sie dieses Land nur für wenige Wochen besuchten. Das Land deiner Träume ist meistens nur so schön, wie es deine Phantasie zulässt. Obwohl ich nie in Japan war, so bekomme ich allmählich den Eindruck, dass diese gewisse Magie tatsächlich existent sein muss. Und so überträgt sich jene heitere Wehmut der Autorin auch direkt auf ihre Leser, zu denen ich natürlich seit Beendigung dieses Romans auch gehöre. Die Geschichte selbst besteht mehr aus den Monologen der Protagonistin als aus ausschweifenden Dialogen unter den Charakteren. Das macht den besonderen Charme des Romans aus, weil wir hier eine herrlich bodenständige Protagonistin erleben, die aber  auch eine erfrischende Naivität (im positiven Sinne) an den Tag legt.


 "Bis jetzt war meine Romanze mit Japan perfekt. Sie enthielt die unverzichtbaren Ingredienzien legendärer Lieben: eine betörende Begegnung in frühester Kindheit, Trennung, Trauer, Sehnsucht, Wiedersehen mit zwanzig, Intrige, leidenschaftliche Affäre, Entdeckungen, überraschende Wendungen, Zweideutigkeiten, Verlobung, Flucht, Vergebung, Nachwehen."


Würde es nicht schon einen gleichnamigen Film geben, so wäre auch hier der Titel "Die fabelhafte Welt der Amelie"  sicher keine verkehrte Wahl. Die im Buch 44 jährige Amelie erzählt abwechselnd über die Amelie im Grundschulalter und die Amelie in ihren Zwanzigern. So viele Jahre sind vergangen, und noch immer erinnert sie sich voller Sehnsucht an ihre Zeit in Japan, wozu auch ihre verflossene Liebe Rinri gehört, den sie, beinahe in einem Affekt, anruft und ihm berichtet, dass sie für eine kurze Zeit aufgrund einer Dokumentation nach Japan zurückkehren wird. Alleine an die Nummer des Verflossenen zu kommen glich einem Staatsakt und konnte am Ende dann schließlich durch die Amme aus Kindheitstagen realisiert werden. Rinri selbst scheint überaus euphorisch zu sein, nach so vielen Jahren von seiner alten Liebschaft zu hören.

Und habe ich schon darüber berichtet, wie die Protagonistin samt eines sterbenden Bonsais ein Kino besucht und ausgerechnet Martin Scorsese das sterbende Miniaturgewächs rettet? Nicht? Macht auch nichts, denn es ist eine von vielen kleinen Geschichten, in der die Protagonistin über Gott und die Welt zu plaudern scheint und die Leser erneut mit ihrer heiteren Wehmut für sich gewinnt. Eine großartige Passage, die ich jedoch bewusst nicht für diese Besprechung verwende, um die Einmaligkeit dieser Szene, die sich bildlich bei mir abgespielt hat, niemandem vorwegzunehmen.



Resümee

Der Titel des Buches ist ansteckend. Ich sehe mich als großen Liebhaber der japanischen Kultur und habe dem Land auch einen großen Teil des Themengebietes meines Blogs gewidmet. Amélie Nothomb macht diesen kurzen Roman zu einem Reiseerlebnis. In "Eine heitere Wehmut" folgt sie dem japanischen Motto "Mono no aware", der Vergänglichkeit der Dinge. Es ist durchaus nicht verboten, der Vergangenheit hinterherzutrauern, Heim- oder Fernweh zu haben oder sich von Emotionen aus der Kindheit überrumpeln zu lassen. Gleichzeitig ebnet sich die Autorin aber auch den Weg nach vorn, jene Vergänglichkeit der Dinge hinter sich zu lassen. In wunderbarer Weise verarbeitet die sympathische Autorin gleichmäßig diese beiden Aspekte und erschafft dabei ein besonderes Erlebnis für die Leser.

Dienstag, 10. Oktober 2017

Neuer Murakami erscheint im Januar 2018 bei DuMont


Die Ermordung des Commendatore

Autor: Haruki Murakami
Erscheinungsdatum: 22.01.2018 (Band 1), 16.04.2018 (Band 2)
Verlag: DuMont
Übersetzung: Ursula Gräfe



Inhalt (zusammengefasst vom Verlag)

Der Held des neuesten Romans von Haruki Murakami, ein namenloser junger Maler, hatte sich mit den Jahren in Tokio einen Ruf als hervorragender Porträtist erworben. Doch mit der Trennung von seiner Frau lehnt er schlagartig sämtliche Aufträge ab. Er will sein Leben neu ordnen und zieht sich in ein abgelegenes Haus zurück. 
Dort legt ihm sein Agent eines Tages ein äußerst lukratives Angebot vor: Er soll das Porträt eines steinreichen Mannes anfertigen. Nach einigem Zögern nimmt er an. Fortan sitzt ihm Wataru Menshiki regelmäßig Modell. Doch der Ich-Erzähler findet nicht zu seiner alten Fertigkeit zurück. Das, was Menshiki ausmacht, kann er nicht erfassen. Wer ist dieser Mann, dessen Gesicht er keine Tiefe geben kann? Der ihm sehr Intimes erzählt und doch undurchsichtig bleibt?
Durch einen Zufall entdeckt der junge Maler auf dem Dachboden ein meisterhaftes Gemälde. Es trägt den Titel ›Die Ermordung des Commendatore‹. Plötzlich geschehen mehr und mehr merkwürdige Dinge um den Ich-Erzähler herum, als würde sich eine andere Welt öffnen. Soll er sich wirklich Menshiki anvertrauen und ihm davon berichten?

Wie kein anderer versteht es Haruki Murakami, Parallelwelten zu erschaffen und die Grenzen zwischen ihnen und der uns bekannten Realität zu verwischen.


Das lange Warten auf die Ankündigung hat ein Ende. Ein paar Monate später als ich vermutet habe (ich ging von Oktober/November 2017 aus) wird der DuMont Verlag aus Köln den ersten Band des Zweiteilers "Die Ermordung des Commendatore" (jap. Kishidanchō goroshi) am 22. Januar 2018 veröffentlichen. Im gleichen Monat veröffentlichte der Verlag auch 2014 Haruki Murakamis letzten großen Roman "Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki". Murakami beschrieb seinen neusten Roman selbst als "eine sehr seltsame Geschichte" und die geneigten Leser werden wohl bereits wissen, worauf sie sich auf rund 1000 Seiten verteilt wieder einstellen können. Band 2 erscheint einige Monate später dann am 16. April 2018. Eine ähnliche Veröffentlichungspolitik nahm man auch damals bei Murakamis Dreiteiler "1Q84" vor, diesmal ist der Hinweis aber unübersehbar, dass es sich hier um ein mehrteiliges Abenteuer handelt.

Die deutschsprachige Übersetzung stammt erneut von Ursula Gräfe, was sicherlich jeden Leser der deutschen Ausgabe erfreuen wird. Beide Romane kann man bereits für 26 Euro (pro Band) vorbestellen. Für die Veröffentlichung ist wie bei allen neueren Veröffentlichungen des Autors ein Hardcover mit Folienschutzumschlag geplant. Fans der japanischen Literatur haben jetzt ein Datum, was sie sehnlichst herbeisehnen können.

Freitag, 6. Oktober 2017

Kommentar: Noch 2 Jahre bis zum Jahr des Schafes

(Foto: Aufziehvogel)



Ridley Scotts Box-Office-Flop "Blade Runner", ein Neo-Noir Cyberpunk Thriller lose basierend auf einem Roman von Philip K. Dick, spielte in einer Galaxie, nicht all zu weit entfernt und auch nicht vor langer, langer Zeit. Als der Film 1982 in die Kinos kam, so war die beklemmende Zukunftsvision zwar noch etwas weiter entfernt, aber für uns Menschen sicherlich nicht unerreichbar. Der Film datiert den November im Jahr 2019 als sich Rick Deckard, ein Blade Runner im Ruhestand, darum kümmern soll, noch einmal ein paar Repilkanten zu "verabschieden". Für das Los Angeles der Zukunft, welches sich in einem melancholisch/klaustrophischen Zustand befand, interessierten sich zur Zeit der Veröffentlichung des Filmes nur wenige Menschen. Es bestand kein Bedarf an einen philosophisch angehauchten Science-Fiction Film während Star Wars noch immer ein Thema war und gerade E.T. die Kinos darum bat, nach Hause zu telefonieren. Damals hätte es sich noch niemand denken können, aber neben Star Wars und E.T. sollte auch noch Blade Runner Filmgeschichte schreiben. Ein Film, der erst viele Jahre später zu seiner verdienten Beachtung fand und unzählige Filmemacher inspirieren sollte. Nun befinden wir uns noch 2 Jahre und circa 1 Monat von dem Jahr entfernt, in dem Blade Runner spielt. Und kaum scheinen wir einmal diesen Punkt erreicht zu haben, muss ausgerechnet eine Fortsetzung erscheinen, die wieder rund 30 Jahre in er Zukunft spielt. Scheint, als sei unsere letzte Hoffnung Akira, dessen Vorkommnisse im Jahr 2020 spielen.

Ich selbst kam relativ spät zu Blade Runner. Der Titel, die Schauspieler und auch die Vorlage schwirrten immer in meinen Interessenbereichen herum, gesehen habe ich den Film aber erst 2004 oder 2005. Ich bin mir da verhältnismäßig sicher, weil nämlich nur wenige Jahre später Scotts "Final Cut" erschienen ist. Zum Start der hochgelobten Fortsetzung von Denis Villeneuve möchte ich selbst noch einmal Revue passieren lassen, wie ich das Original damals wahrgenommen habe und wieso Blade Runner auch so viele Jahre später zu meinen unangefochtenen Lieblingsfilmen gehört.

Blade Runner basiert lose auf Philip K. Dicks Roman "Träumen Androiden von elektrischen Schafen?" aus dem Jahr 1968. Autor Hampton Fancher und Regisseur Ridley Scott machten nie ein großes Geheimnis raus, dass sie mit dem Roman nicht viel anfangen konnten (Scott hat ihn während der Dreharbeiten glaube ich überhaupt nicht gelesen). Es mag also nicht viel "Träumen Androiden von elektrischen Schafen" in der Blade Runner Verfilmung stecken, es steckt aber enorm viel Philip K. Dick in dieser Verfilmung. Eine menge Cyberpunk, viel Philosophie aber auch religiöse Aspekte und die sich immer stellende Frage um die Menschlichkeit und das berüchtigte "Cogito ergo sum" (Ich denke, also bin ich) fanden alle ihren Weg in die Verfilmung. All das waren die Leitmotive im Werk des großartigen Philip K. Dick, den die Verfilmung seines Romans posthum zu einem der einflussreichsten Science-Fiction Autoren machte. Dick gab seinen Segen für die Verfilmung und war beeindruckt, wie man seine düstere Zukunftsvision (die im Roman übrigens nicht in Los Angeles sondern San Francisco spielt) umsetzte und freundete sich daraufhin mit Ridley Scott an. Kurz vor der Premiere verstarb Dick jedoch.

Mehrere Schnittfassungen von Blade Runner sind im Umlauf. Meine erste Sichtung war der Director's Cut, der 1992 veröffentlicht wurde und der Vision der perfekten Fassung des Filmes näher kam. Die Wunschfassung von Scott war aber auch der Director's Cut noch nicht. Fest stand aber, die Version, die man 1982 auf die Kinos losgelassen hatte, war (obwohl die Kinofassung einen treuen Kreis an Fans besitzt), weit von dem entfernt, was der Film heute ist und aussagt. Schuld für die Umschnitte waren bereits Querelen während des Drehs die sich bis hin die Post-Production gezogen haben. Die Testvorführungen im Vorfeld kamen nicht gut an, viele der Zuschauer waren überfordert mit dem Film, konnten ihm nicht folgen und waren mit dem pessimistischen Grundton nicht einverstanden. Für einen der Geldgeber, der am liebsten selbst auf dem Regiestuhl gesessen hätte, Bud Yorkin, war dies die ultimative Gelegenheit, den Film zu seinen Gunsten umschneiden zu lassen. Die Geldgeber bestanden auf mehr Erläuterungen im Film, jene Erläuterungen, die letztendlich zu Deckards berüchtigtem Off-Kommentar führten und dessen Monologe nachträglich von einem gelangweilten Harrison Ford eingesprochen wurden, und, nicht zu vergessen, ein nachträgliches Happy End. Während die Geldgeber auch rund 20 Jahre später noch der Auffassung waren, die Kinofassung sei die beste Fassung des Films, behob der Director's Cut aus dem Jahr 1992 etliche dieser "Missverständnisse", die durch die Kinofassung entstanden sind. Am Ende waren all die zusätzlichen Bemühungen der Produzenten jedoch vergebens, die 80er waren einfach nicht das richtige Jahrzehnt für Blade Runner.


(Deleted Scenes gibt es in Hülle und Fülle)


Es sollte dann noch einmal 17 Jahre dauern, bis Ridley Scott endlich seine Wunschfassung bringen durfte, was vorher aus Rechtlichen Gründen nicht möglich war. 2007 erschien der sogenannte "Final Cut" und stellt im Gegensatz zu den zigfach bearbeiteten Star Wars Fassungen der Originaltrilogie die (zumindest meiner Meinung) ultimative Schnittfassung von Blade Runner dar. Ein paar Szenen wurden entfernt, ein paar wieder hinzugefügt (darunter auch Szenen die der Schere aufgrund der Altersfreigabe damals zum Opfer gefallen sind) und es wurde sogar eine berüchtigte Szene nachgedreht. Der Final Cut wurde aufpoliert fürs HD-Zeitalter und ist durch den Verzicht von CGI noch immer eine Augenweide, davon profitierte zusätzlich auch der geniale Soundtrack von Vangelis. Zeitgleich dient der Final Cut auch als die Schnittfassung, die Villeneuve als Ausgangspunkt für Blade Runner 2049 benutzt hat (obgleich dieser aber auch eine Fortführung der Kinofassung spannend gefunden hätte). Der Nachteil des "Final Cuts" ist, die Existenzen der vorherigen Schnittfassungen verschwinden nach und nach aus den Analen der Filmgeschichte. Manche Kinos spielen gerne mal noch die Kinofassung, auch der TV-Sender Arte hielt vor einigen Jahren hier eine Überraschung bereit, als er nicht den Final Cut spielte, sondern die Kinofassung (die sehr leicht am Off-Kommentar von Deckard zu erkennen ist).

Was mich angeht, in dem Moment, als "Memories of Green" gespielt wurde, hatte der Film mich endgültig für sich eingenommen. Blade Runner war der vermutlich letzte große Science-Fiction Film mit handgemachten Special Effect (dazu zählen auch Matte Painting Kulissen). Bis heute hat man es hier mit einem Film zu tun, der visuell noch immer in der obersten Liga mitspielt. Das aufwendige Set und die gesamte Arbeit des Teams haben die Illusion eines düsteren Los Angeles in einer Dystopie bis heute aufrecht erhalten können. Zu den noch immer beeindruckenden Errungenschaften des Filmes war am Ende aber auch Ridley Scott verantwortlich, der als britischer Regisseur und seiner europäischen Denkweise oftmals beim Dreh im Team und bei den Schauspielern angeeckt ist. Ohne seinen Hang zur Perfektion wäre aber vieles, besonders was das knappe Budget anging, nicht möglich gewesen. Besonders das langsame Tempo des Films überraschte mich damals ungemein positiv bei meiner ersten Sichtung. Es gibt nicht wenige Leute, die Blade Runner gar als schläfrig und zu langsam erachten. Auch in der heutigen Zeit wirkt Blade Runner auf eine menge Zuschauer noch sehr sperrig und unnahbar. Ich kenne selbst eine handvoll Leute, die nicht einmal über die erste Hälfte des Filmes hinauskommen sind. Für die Mehrheit ist und bleibt Blade Runner aber ein Film, der nicht nur den Zahn der Zeit bravurös gemeistert hat, er ist den meisten aktuellen Filmen noch immer voraus. Ähnliches erreichte Regisseur Hideaki Anno mit seinem Anime "Neon Genesis Evangelion", der in vielerlei Hinsicht auch über 20 Jahre nach seiner Entstehung unerreichbar in etlichen Aspekten bleibt.

Die Nachricht über eine Fortsetzung stimmte mich selbstverständlich skeptisch. Für mich war die Geschichte um Rick Deckard immer abgeschlossen. Die Geschichte war sogar so abgeschlossen, sobald der Abspann läuft, sich ein angenehmes Gefühl in mir ausbreitet. Über die Jahre sind natürlich Fragen aufgekommen, die interessant zu debattieren sind aber nie beantwortet werden müssen. Mit anderen Worten, Blade Runner ist ein abgeschlossenes Erlebnis woran auch nachfolgende Romane (die mittlerweile nicht mehr zum Canon gehören dürften) nichts ändern. Wozu also eine Fortsetzung? Und wozu eine Fortsetzung, die auch Rick Deckard wieder zurückholt? Eine Antwort darauf werde ich erst erhalten, sobald ich den Kinosaal verlassen habe.

Was die Regie von Blade Runner 2049 angeht, so gab es hier nur wenige logische Auswahlmöglichkeiten. Für ein unbekanntes Lichtlein wäre das Projekt zu groß und ambitioniert gewesen und Schwätzer wie Len Wiseman das Ruder zu überreichen wäre einem Himmelfahrtskommando gleichgekommen. Neben Christopher Nolan gab es hier nur noch einen Name, der derzeit für Qualität und einer filmischen Vision steht, der Kanadier Denis Villeneuve. Villeneuve ist dabei nicht einmal ein klassischer Sci-Fi Regisseur (Arrival war sein erster klassischer Science-Fiction Film). Jedoch kann man Villeneuve aber auch nicht als klassischen Kunstfilmer aus der Arthouse-Szene bezeichnen oder als Regisseur, der auf Thriller ein Abo hat. Villeneuve machte bisher das, worauf er lust hatte, wo er meinte, er könne mit seiner Filmkunst ein Projekt bereichern. Der fünfzigjährige war in vielen Genres aktiv und Blade Runner 2049 würde zu seinem ambitioniertestem Projekt werden. Die Kritiken geben Denis Villeneuve derzeit recht, dass er die beste Wahl war. Ebenso ungewöhnlich scheint das Vertrauen zu sein, was Warner Brothers ihm ausstellt, denn sie gaben grünes Licht für ein R-Rating und einer Spielzeit von über 160 Minuten.

Nun sind wir an dem Punkt angekommen, wo Blade Runner 2049 als eine der besten Fortsetzungen aller Zeiten betitelt wird. Eine Ehre, die Filmen wie "Der Pate II" oder "Das Imperium schlägt zurück" gebührt. Oftmals gingen solche Projekte komplett in die Hose (Stichwort Terminator 3), mittlerweile scheint man solche Revival-Projekte aber mit großer Sorgfalt anzugehen. Ganz gleich wie mir Blade Runner 2049 gefallen wird, meine Sichtweise auf das Original wird sich niemals ändern. Es ist eine filmische Errungenschaft, die meine Sichtweise auf Filme damals maßlos beeinflusst hat und meine Ansprüche automatisch nach oben geschraubt hat. Erstaunlich ist dabei, als wie zeitlos ich den Film auch in der heutigen Zeit noch betrachte und sich meine Meinung kein bisschen verändert hat. Eine Bürde durchaus für das Genre, aber keine, die die Fortsetzung alleine zu stemmen hat.

Donnerstag, 5. Oktober 2017

Nobelpreis für Literatur 2017 geht an Kazuo Ishiguro



Stockholm: Das Nobelpreis-Gremium überrascht einmal mehr, diesmal jedoch (zumindest meiner Ansicht nach) mit einer höchst erfreulichen Nachricht. Kazuo Ishiguro (62), Großbritannien (geboren in Nagasaki, Japan), Sohn einer japanischen Einwandererfamilie, gewinnt den renommiertesten Literaturpreis der Welt. Das Gremium gab folgende Begründung dazu ab:


"Who, in novels of great emotional force, has uncovered the abyss beneath our illusory sense of connection with the world"


Ishiguro erlangte große Aufmerksamkeit durch seinen Roman "Was vom Tage übrig blieb (1989)" und krönte seine Prosa mit "Alles, was wir geben mussten (2005)".  Sein aktuellster Roman stammt aus dem Jahr 2005 und heißt "Der begrabene Riese".

Im Jahr 2011 verfasste ich eine Rezension zu "Alles, was wir geben mussten" und es war ein Roman, den ich nicht nur sehr genossen habe, sondern der mich auch noch lange nach der letzten Seite über Tage befasst hat. Der Roman hört in seinem Heimatland auf den Titel "Never let me go" und behandelt realitätsnahe Science-Fiction, die Ishiguro nahe der Perfektion glaubhaft in seiner Geschichte präsentiert.

Meine Glückwünsche gehen an den Japaner und Großbritannien. Der Preis ging an einen klassischen Erzähler von Geschichten, eine Gattung, die heutzutage eine Seltenheit geworden ist.

Mittwoch, 4. Oktober 2017

Einwurf: Was sich bei den Rezensionen geändert hat und Google+





Seit der Gründung von "Am Meer ist es wärmer" im Januar 2011 habe ich relativ stur an meinem Stil, sämtliche Rezensionen zu verfassen, festgehalten. Über die Jahre gabs natürlich einige wichtige Änderungen, von denen die Texte sichtlich profitierten. Boulevard-Einträge finden hier schon seit mehreren Jahren keinen Platz mehr und das Punktesystem hat sich nach 2 Revisionen in den Rezensionen komplett verabschiedet. Der geneigte Leser muss nun zumindest das Resümee lesen, um meine Meinung zu den besprochenen Titeln zu erhalten. Damit wollte ich damals nicht erreichen, dass die Leser des Blogs mehr Zeit hier verbringen. Sich jedoch nur auf die Wertung zu stürzen wird aber weder den Büchern selbst, den Verlagen oder den wichtigsten Protagonisten, den Autoren und Übersetzern, nicht gerecht.

Eine längst überfällige Revision, die ich jetzt an meinen Texten vorgenommen habe und weiter vornehmen werde war ebenfalls längst überfällig. Während ich bei Filmen einen wesentlich lockereren Stil pflege, sobald ich eine Besprechung verfasse, waren die Texte zu den Besprechungen für Bücher geprägt von einem gewissen Ablauf. Jede Rezension startete mit einem langen Zitat aus dem besprochenem Titel, es folgte eine relativ lange Einführung, danach folgte die Inhaltsangabe und anschließend folgte der Teil mit meiner persönlichen Meinung. Hält man an so einem System über Jahre fest, nutzt man sich als Verfasser dieser Einträge irgendwann ab. Dies ist bereits vor mindestens 2 Jahren passiert und mir fehlte die Motivation, mich an neue Rezensionen zu setzen. Der Wegfall des Zitats zu Beginn einer Rezension dürfte auch den Lesern ihren Einstieg in den Text erleichtern. Es soll ab jetzt sofort zur Sache gehen. Die Texte sollen etwas kürzer, dafür aber inhaltlich relevanter werden. Dazu habe ich mich für kurze Zitate aus den jeweiligen Büchern entschieden, die ich über die Rezension verteilt gerne einsetzen möchte. Ein Limit für benutzte Zitate gibt es nicht, nur was die Länge dieser Zitate angeht, darüber ist bereits entschieden. Der Wegfall des langen Zitates zu Beginn der Besprechung spart natürlich auch Zeit, die ich anschließend für den eigentlichen Text verwenden kann.

Von den kleinen, aber doch relevanten Änderungen erwarte ich mir, dass die Rezensionen informativer werden in ihrem Umfang jedoch kürzer. Von dieser Revision könnt ihr euch bereits in den letzten beiden Rezensionen zu "Ich war Hitlers Trauzeuge" und "Die Insel der Freundschaft" überzeugen, die beide im September Online gegangen sind.

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Ein weiteres Anliegen, was für die Zukunft des Blogs nicht relevant ist, aber durchaus anzumerken; Google+. Durch ein paar Veränderungen bei der +1 Funktion ist es für den Verfasser der Beiträge nun wesentlich schwieriger, seine Einträge nun über Google zu verteilen. Dies sorgt automatisch dafür, dass die Beiträge in einem Pool voller Beiträge regelrecht ertrinken. Wer meinen Blog verfolgt weiß, das ich diesen nicht kommerziell führe und es somit bis auf gewöhnliche Google-Ads keine Affiliate-Links, Patreon-Aufrufe oder andere versteckte Werbung gibt. Ob monatlich 1 neuer Leser, 10 neue Leser oder 100 neue Leser den Weg hierher finden ist dabei irrelevant. Dennoch bleibt Google einer der relevantesten Verteiler für Blogs die agieren, wie ich es tue. Durch die neue Verteilung finden, und das ist nicht überraschend, deutlich weniger neue Leser zu "Am Meer ist es wärmer".

Mein erster und vermutlich letzter Aufruf, den ich hier jemals anprangern werden, ist, solltet ihr gefallen an den Inhalten des Blogs finden und euch zum Beispiel die Rezensionen gefallen, verteilt die Beiträge via den sozialen Netzwerken und/oder drückt einfach folgenden Button unterhalb des Textes: 


Damit sorgt ihr dafür, dass die Beiträge auf "Am Meer ist es wärmer" verteilt werden und der Blog im Gespräch bleibt. Noch einmal: Dies ist kein Aufruf, Werbebanner anzuklicken. Der Blog wird nicht kommerziell betrieben und die weitere Verteilung der Beiträge bringt mir und diesem Projekt keinen einzigen Cent ein. Die Titel, die hier besprochen werden, haben es verdient, geteilt zu werden, auf sie aufmerksam zu machen und letztendlich eine Kaufoption für interessierte Leser sind. 
Euch hat eine Empfehlung hier schon einmal zugesagt? Dann teilt diese Beiträge und klickt den Google+ Button an.


Mit diesen Worten möchte ich den Einwurf abschließen und wünsche euch allen eine angenehme Restwoche.

Bis bald,
Aufziehvogel

Samstag, 30. September 2017

Rezension: Die Insel der Freundschaft (Durian Sukegawa)


(©DuMont Buchverlag)




Japan 2014

Die Insel der Freundschaft
Originaltitel: Pinza no Shima
Autor: Durian Sukegawa
Verlag: DuMont
Übersetzung aus dem Japanischen: Luise Steggenwentz
Genre: Drama, Slice of Life




Mit 28 Jahren scheint Ryosuke bereits am Ende seines Lebensweges zu stehen. Sein Studium hat er abgebrochen und ist wie sein Vater seiner Leidenschaft, dem Kochen, nachgegangen. Und als wolle er seinem Vater imponieren und es ihm gleichtun, so rammt er sich ein scharfes Kochmesser selbst in die Brust, um seinem Leben ein Ende zu bereiten. Anders als bei seinem Vater aber versprüht sein Sohn den euphorischen Drang weiterzuleben. Ein Drang, der sein Leben in letzter Minute gerettet hat. Es gibt da auch noch etwas, was der junge Mann zu tun hat. Auf einer einsamen Insel einer gewissen Person etwas überreichen, wieder einen Lebenssinn zu finden und vielleicht noch einmal von vorn anfangen. Zusammen mit zwei weiteren Aussteigern aus dem Stadtleben beginnt für Ryosuke eine neue Zeitrechnung. Aus einer Arbeitsgemeinschaft die wahllos zusammengestellt wurde bahnt sich eine Freundschaft an. Zu dritt suchen sie gemeinsam einen Platz in der Gesellschaft, die sie anscheinend so viele Jahre verstoßen hat.

Nur 1 Jahr nach "Kirschblüten und rote Bohnen" veröffentlichte Durian Sukegawa in seiner Heimat "Die Insel der Freundschaft" (jap. Pinza no Shima). Der Japaner hat diesmal aber eine umfangreichere Geschichte zu erzählen. Das Buch ist wesentlich dicker und er lädt seine Leser diesmal dazu ein, die große Stadt zu verlassen und ihm auf eine einsame Insel zu folgen. Besser gesagt, dorthin schickt Durian Sukegawa seine 3 melancholischen Protagonisten. Ryosuke, ein schweigsamer Zeitgenosse der als Koch arbeitete und auf der Insel noch etwas persönliches zu erledigen hat. Tachikawa, der ein wenig ungestüm wirkt und ein ehemaliger Host ist. Zu guter letzt wäre da noch Kaoru, ein Mädchen, die sich zumindest optisch gibt wie eine Punk-Rockerin. Gemeinsam soll das ungleiche Trio auf der abgelegenen wie einsamen Insel Aburi-jima Bauarbeiten übernehmen. Neben dem neuen Job bringt jeder der drei sein eigenes, schweres Paket mit auf die Insel. Mit der Zeit entwickelt sich zwischen den dreien eine Freundschaft und mit dem Auftauchen des alten Inselbewohners Hashi gelingt es Ryosuke, aus seiner Melancholie zu entfliehen. Doch ist es wirklich so leicht, die Vergangenheit hinter sich zu lassen?

Durian Sukegawa verfeinert in diesem Roman seinen Stil. Bereits der Abschnitt, der die Geschichte eröffnet, ist starke Prosa, die mich direkt in ihren Bann zog:


"Als es aufhörte zu regnen und die Wolkendecke aufbrach, wurde der Abend in ein klares Licht getaucht. Die Möwen flogen über der Mole hin und her und die Männer gingen im Schrein der Abendsonne auf dem Containerplatz ihrer Arbeit nach. Das Fährschiff, das von R. zu den Aburi-Inseln unterwegs war, hatte soeben vom Kai abgelegt und verließ langsam die Bucht. Von seinem Platz im Speiseraum des Schiffes aus sah Ryosuke das Hafenbecken vorüberziehen und konnte auch einen Teil des Decks und den Gang an der Reling betrachten. Dort hatte sich eine Wasserpfütze gebildet, die so intensiv schimmerte, als wäre ein Stück der Sonne hineingefallen. Lichtreflexe wanderten über die Kommandobrücke, ein flimmerndes Muster aus vielen sich überlappenden Kreisen, das sich im Takt der schwankenden Fähre beständig auflöste und wieder zusammenfügte. Ryosuke verfolgte diesen Rhythmus aus den Augenwinkeln. Während er die unsteten Lichtkreise besah, drifteten seine Gedanken ab."


"Die Insel der Freundschaft" ist durch und durch japanische Literatur in Reinform. Es entwickelte sich beim lesen durchaus ein Gefühl bei mir, wie ich es in den Frühwerken von Haruki Murakami oft wahrgenommen habe. Die Sehnsucht nach einer neuen Herausforderung, das Fernweh gegenüber unbekannten Orten, sein Glück finden. All diese Elemente verknüpft Durian Sukegawa wundervoll. Doch nur weil der Kern der Geschichte sehr japanisch ist, so wird sich der Roman aber auch vor westlichen Lesern ganz sicher nicht verschließen. Die Charaktere wachsen einem ans Herz. Wir lassen die großen Städte hinter uns und treten ein in die ungefilterte Natur. Ein Trip zu Aburi-jima, eine Insel ohne Krankenhäuser, Polizei oder Geschäften, die uns das Leben erleichtern.

Eine besondere Erwähnung ist einmal mehr die Übersetzung wert. Der DuMont Verlag setzt hier auf einen Namen, von dem ich vorher noch nichts gehört habe. Direkt aus dem Japanischen übersetzt Luise Steggenwentz und beerbt hier die routinierte Ursula Gräfe, die uns über viele Jahre beim Verlag mit hochwertigen Übersetzungen beliefert hat. Die dagegen noch recht junge Luise Steggenwentz (Geburtsjahr 1988) setzt die Linie der hochwertigen Übersetzungen aber mehr als souverän fort. Der ruhige, abgeklärte Stil von Durian Sukegawa kommt auch hier bestens zur Geltung und überrascht mit einer flüssigen Sprache. Auch der Humor, der durchaus in diesem Buch vorhanden ist, kommt wunderbar zur Geltung.



Resümee

"Die Insel der Freundschaft" von Durian Sukegawa ist eine beeindruckende Geschichte darüber, wie man sein altes Leben hinter sich lassen kann. Ein Neuanfang auf einer einsamen Insel, die Großstadt hinter sich lassen und Freundschaften zu knüpfen zwischen Menschen, die auf normale weise vermutlich niemals zueinander gefunden hätten. Durian Sukegawa verknüpft schwierige Schicksale mit Optimismus, ohne jedoch in Rührseligkeit oder penetrante Euphorie zu verfallen. Ein Roman, der in mir des öfteren eine angenehme Wärme entfacht hat. Literatur, wie man sie heutzutage nur noch selten zu lesen bekommt. Eine große Empfehlung von mir.

Montag, 25. September 2017

Rezension: Ich war Hitlers Trauzeuge (Peter Keglevic)


(Foto: ©Katharina Behling)




Deutschland/Österreich 2017

Ich war Hitlers Trauzeuge
Autor: Peter Keglevic
Verlag: Knaus
Genre: Satire, Tragikomödie




Am 01. April 1945 hält ein SS-Hauptsturmführer dem jüdisch-stämmigen Harry Freudenthal eine geladene Waffe an den Kopf, will abdrücken und seinen anschließend leblosen Körper zu Harrys Flucht-Kumpanen deponieren, die, wie er selbst, allesamt der SS ins Netz gegangen sind. Harry hat aber schon seit Kindheitstagen mehr glück als andere. Obwohl die Waffe geladen und bereit ist, Harry das Lebenslicht auszuknipsen und er sich innerlich bereits damit abgefunden hat -"Seltsam, dachte ich, so endet nun dein Leben auf der elften Etappe einer Pilgerreise"-, da marschiert auf einmal die Filmemacherin des Dritten Reiches auf dem Hof ein und der Verlauf des Lebens von Harry Freudenthal nimmt auf einmal eine glückliche, wie irrwitzige Wendung. Vor Harry liegt nicht nur der Lauf seines Lebens sondern eine nahezu absurde Odyssee, die ihn direkt in den Führerbunker führt. Wieso Harry Freudenthal der Trauzeuge des gescheiterten Führers wurde, dies behielt er mehr als 70 Jahre als Geheimnis für sich. Und wenn man bereits über 90 Jahre alt ist, wem könnte man diese Geschichte denn einmal anvertrauen? Genau! Seinem Friseur!

Der österreichische Filmemacher und Autor Peter Keglevic hat seinem Roman einen markanten Titel verpasst. Wenn man sich für "Ich war Hitlers Trauzeuge" entscheidet, dann muss man den Worten auch Taten folgen lassen. Der Autor entführt uns hier auf seine ganz eigene Weise in ein reales Deutschland zum Kriegsende, was fiktiver eigentlich gar nicht sein könnte. Peter Keglevic macht das Berchtesgaden aus dem Jahr 1945 zu seinem Spielplatz, wo nach seinen Regeln gespielt wird. Anders als beispielsweise "Er ist wieder da" von Timur Vermes kommt der Roman von Keglevic trotz seiner beeindruckenden Seitenzahl sehr schnell zum Punkt. Es gibt eine kurze Aufwärmrunde mit Harry, der aus seiner Kindheit erzählt. Der Autor nimmt sich dabei Zeit, hält sich aber nie wirklich lange an Kleinigkeiten auf. Die Gedankengänge des Jungen Harry, der versucht, sich seine Eltern beim Sex vorzustellen und dabei an seine Schwester denken muss, mögen einen befremdlichen Eindruck hinterlassen, der freche, aber oftmals auch herrlich vulgäre Stil von Keglevic gefiel mir nach einer etwas längeren Anlaufzeit sehr gut. Und so haut der Autor auch mal folgendes Zitat raus und wird den Leser, der hier vielleicht sogar ein bierernstes Werk erwartet, regelrecht aus dem Hinterhalt erwischen:

">>Nehmen sie doch endlich den Arm runter!>>, sagte Leni Riefenstahl genervt. Da erst merkte ich, dass ich meinen rechten Arm ausgestreckt hatte und dass sie mich meinte. Schnell legte ich die Arme an und stand steif und ehrfurchtsvoll. Sie trat unter meinen Geradeaus-Blick, und ich sah, sie trug einen offenen Pelzmantel und darunter einen weißen Kittel, so wie ihn Ärzte tragen. Sie musterte mich von oben bis unten, was den Reiz ihres Silberblicks nur noch vergrößerte. <<Reichsgletscherspalte>> fiel mir ein -ihr Spitzname-, weil sie in ihren Filmen in so viele Eis-, Schnee- und Gletscherspalten gefallen war. Später hatte mich ausgerechnet meine Schwester Hilly aufgeklärt, dass mit <<Spalte>> ganz was anderes gemeint war. Ich hatte sie dumm angeguckt. <<Muschi. Möse. Spalte. Die Riefenstahl fickt mit allen, die ihr einen Vorteil bringen. Eine berechnende Fotze ist die!>>                                                                         Ich war fassungslos gewesen." 


Schonungslose Situationskomik wechselt sich ab mit Tragikomik und fügt sogar einen Schuss Sentimentalität (jedoch nicht aufdringlich) hinzu. Das einzige, was man dem Roman von Peter Keglevic neben einigen etwas langatmigen Passagen vorwerfen kann, ist, manchmal kann er sich nicht entscheiden ob seine Geschichte eine Satire auf das Dritte Reich, eine fiktionale Biografie oder einfach eine klassische Tragikomödie ist. Aber vielleicht liegt hier ja sogar die Stärke dieser Geschichte, denn die verschiedenen Stile wechseln sich gerne und häufig ab. Peter Keglevic hat mir Harry Freudenthal sogar so gut verkauft, dass ich den Name auf Google nachschlagen musste.



Resümee

Der Lauf seines Lebens wird zu seiner Lebensgeschichte. Harry Freudenthal dokumentiert seine ganz persönliche, kuriose Odyssee durch ein Drittes Reich, welches in seinen letzten Zügen liegt. "Ich war Hitlers Trauzeuge" mag auf den ersten Blick eher mit Humor betrachtet werden. Tatsächlich aber hat Autor Peter Keglevic den ernsten Kern seines Romans hinter viel Situationskomik und Satire versteckt. Der große Volkslauf von Berchdesgaden kommt einem Theaterstück gleich, einer letzten Aufführung des Dritten Reiches mit prominenten Gästen wie Leni Riefenstahl, Eva Braun und Adolf Hitler persönlich. Keglevic findet zum Ernst der Lage bei all den Absurditäten immer sehr schnell zurück. Vermutlich macht genau das diese Geschichte authentischer als so manch todernsten Rückblick auf ein Deutschland am Abgrund. Am Ende schlägt die Macht der Literatur das Original. Eine Geschichtsstunde der besonderen art.

Samstag, 16. September 2017

Frisch aus der Druckerei: Die Insel der Freundschaft (Durian Sukegawa)



Infos zur Veröffentlichung

Autor: Durian Sukegawa
Verlag: DuMont
Ausgabe: Hardcover
Inhalt und mehr beim Verlag: Link
Übersetzung aus dem Japanischen: Luise Steggenwentz
Preis: 20 Euro (Print), 15,99 Euro (eBook)
Veröffentlichung: 19.09.17



Das Wochenende versüßt hat mir die verehrte Presseabteilung vom DuMont Verlag. Da sich der Deutsche Buchhandel aber nur wirklich sehr selten an die offiziellen Daten der Verlage hält (oftmals jedoch in Absprache), so könnte Durian Sukegawas "Die Insel der Freundschaft" bereits jetzt bei etlichen Buchhändlern erhältlich sein. Der offizielle Verkaufsstart wäre der 19.09.17.

Neben Haruki Murakami scheint der DuMont Verlag mit Durian Sukegawa einen weiteren japanischen Autor gefunden zu haben, der ihr Programm sinnvoll erweitert. Die Verfilmung von Sukegawas Roman "Kirschblüten und rote Bohnen (Rezension)" von Naomi Kawase machte das japanische Multitalent auch in Deutschland zu einem Geheimtipp, der bei den Lesern großen Anklang fand. Zu diesen Lesern gehörte auch ich, mir hat der Roman um das ungleiche Dreiergespann, dessen Schicksale alle mit einer beliebten japanischen Süßspeise verworben war, unglaublich gut gefallen. Durian Sukegawa ist dabei das komplette Gegenteil eines Haruki Murakami. Sukegawa kommt ohne den bekannten japanischen Surrealismus aus. Auch verzichtet der Autor auf eine komplexe, verstrickte Geschichte. Die Essenz der japanischen Literatur haftet Sukegawa aber auf jeder Seite an. Feinfühlig führt er die Einzelschicksale zusammen und bildet eine Einheit aus den Charakteren, die allesamt einen problematischen Stand in der Gesellschaft beherbergen.

In "Die Insel der Freundschaft" vertieft Durian Sukegawa die Thematiken aus "Kirschblüten und rote Bohnen" und schickt ein weiteres Dreiergespann ins Rennen, die allesamt auf der Insel Aburi eine gemeinsame Reise erleben, die sie für immer verändern wird. Übersetzt wurde der Roman diesmal von Luise Steggenwentz die hier Ursula Gräfe beerbt.

Die ausführliche Besprechung zu "Die Insel der Freundschaft" erfolgt in der kommenden Woche. Wenn euch der Titel neugierig gemacht habt, stattet mir also demnächst wieder einen Besuch ab.